»Rechenzentrum«

PK 02 »Rechenzentrum«
Potsdam 2009
Ort: Dortustraße Ecke Breite Straße (siehe Stadtplan), Ausschnitt (Westseite) des Mosaiks »Der Mensch bezwingt den Kosmos« von Fritz Eisel am Sockel des ehemaligen Rechenzentrums
Druck: 3/1-farbig, Vorderseite 3-farbig, Rückseite 1-farbig, auf einseitig weiß gedeckter Wellpappe
Größe: 19 x 10 cm
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In den Jahren 1969 bis 1971 wurde das Rechenzentrum von dem Architektenkollektiv Sepp Weber an der damaligen Wilhelm-Külz-Straße für den VEB (Volkseigener Betrieb) Maschinelles Rechnen Bezirk Potsdam erbaut (1). Es besteht aus zwei Gebäudeteilen, ein Gebäude für die Großrechner und ein Bürogebäude, welches seit 1972 durch das Mosaikband »Der Mensch bezwingt den Kosmos« von Fritz Eisel geschmückt wird (2). Das Mosaik umfasst 18 Bilder und erstreckt sich über 3 Seiten des Gebäudes. Zu Beginn des Mosaikbandes steht ein Zitat von Karl Marx:
»Je weniger Zeit die Gesellschaft bedarf um Weizen, Vieh, etc. zu produzieren, desto mehr Zeit gewinnt sie zu anderer Produktion, materieller oder geistiger Ökonomie der Zeit – Darein löst sich schließlich alle Ökonomie auf.
Ökonomie der Zeit, Sowohl wie planmäßige Verteilung der Arbeitzeit auf die verschiedenen Zweige der Produktion bleibt also erstes ökonomisches Gesetz auf Grundlage der gesellschaftlichen Produktion.«
Die folgenden Bilder stellen in der Art des sozialistischen Realismus den Aufbruch der (sozialistischen) Gesellschaft ins All, den technischen Fortschritt und die überragende Bedeutung des Arbeiters und der Arbeiterin dar. Ein noch sichtbarer Fehler ereignete sich beim Bau des Mosaiks an der Westseite, die den Kosmonauten einschließenden Teile sind vertauscht worden und zum Teil verdreht. Das Gebäude wird noch heute als Rechenzentrum und Bürogebäude genutzt, soll aber im Zuge des wahrscheinlichen Wiederaufbaus der Garnisonkirche, welche unter Teilen des Rechenzentrums stand abgerissen werden. Der Wiederaufbau der Garnisonkirche, die in den letzten Kriegstagen durch Bomben zerstört wurde und deren Reste 1968 gesprengt wurden, ist wegen der preussisch-militaristischen Vergangenheit und als Symbol des fließenden Übergangs zum Nationalsozialismus (Händedruck zwischen Hindenburg und Hitler) zu recht umstritten. Doch auch hier wird eine Mischung aus bürgerlichen Vereinigung und Parteien unter dem Deckmantel der neuen Potsdamer Mitte ihr traditionell-konservatives Erbe wiederaufbauen. Das Mosaik soll diesmal als »Zeuge seiner Zeit« sogar erhalten werden, obwohl es auf einer Infotafel über das Mosaik an dem noch stehenden Rechenzentrum heißt:
»Die ausdrucksvolle Darstellung steht im bewussten Gegensatz zu der Botschaft des christlichen Glaubens und den Melodien des Glockenspiels der Garnisonkirche ›Lobe den Herren‹ und ›Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit‹.«
…wird noch bearbeitet…
(1) http://www.potsdam-wiki.de/index.php/Rechenzentrum
(2) http://www.kunst-am-wege.de/index.php/Fritz_Eisel_-_Der_Mensch_bezwingt_den_Kosmos
PRESSESPIEGEL
Förderer und Gegner der Garnisonkirche reden sich warm (MAZ, 24.06.2008)
Derzeit sind in Potsdam 43 Denkmäler aus DDR-Zeit unter Schutz gestellt (MAZ, 28.05.2008)

